Man nennt es Liebe…

Januar/Februar 2012, Dhaka, Bangladesch

I Baldah garden im alten Dhaka treffen sich sehr viele Paerchen heimlich um sich kennen zulernen oder zu treffen.

 

Beitrag über die neue Art zu Lieben in Bangladesch. Publikation: Freitag, Südostasien Magazin

Feature about a new way of loving in Bangladesh, Publication: Freitag, Südostasien Magazin

Bangladesch Wie eine junge Generation in Bangladesch tradierte Vorstellungen von der arrangierten Ehe allmählich abschafft – und die Liebesheirat für sich entdeckt

Die Geschichte der Beziehung von Moinak und Sadia erinnert an ein Shakespeare-Drama: Beide kommen aus gutem Haus, aber aus unterschiedlichen Schichten und Religionen. Heiraten über Religionsgrenzen hinweg aber ist in Chittagong, einer Stadt im Südosten von Bangladesch, ein Problem. Moinak und Sadia sind trotzdem ein Paar.

Vielleicht erinnert ihre Geschichte aber doch nicht wirklich an ein Drama: Es gibt für sie einen Ausweg, und mit etwas Glück ändern die Eltern ihre Einstellung. Moinak jedenfalls sagt, er sei zuversichtlich. Sein Vater sei zwar konservativ, aber nicht starrköpfig. Er werde den Wandel schon akzeptieren, dem Bangladesch unterworfen ist.

Heiraten aus Liebe. Bis vor wenigen Jahren war in Bangladesch nicht einmal die Idee davon existent. Dann aber kam das Fernsehen. Und mit ihm kamen die Bollywood-Filme, die häufig von romantischer Liebe handeln. Und später das Internet – und mit ihm die Welt. Und plötzlich reift in dieser traditionsorientierten Gesellschaft, in der die arrangierte Ehe der Normalfall ist, ausgehend von der gebildeten Mittelschicht in den Städten eine Generation heran, deren soziale Maßstäbe und Lebensvorstellungen sich nicht stärker von denen ihrer Eltern unterscheiden könnten.

Sie hatte eine Zigarette

Moinak und Sadia sind ein Beispiel. Er sah sie auf High 5, einer Facebook-ähnlichen Plattform. „Sie trug einen Sari und hatte eine Zigarette in der Hand“, sagt Moinak. Das fand er ungewöhnlich und interessant, er schrieb ihr, und schon nach dem ersten Treffen wussten sie, dass sie füreinander bestimmt waren. Heute leben sie mit einem weiteren Mitbewohner in einer Wohngemeinschaft in der Hauptstadt Dhaka. Musikinstrumente sind auf dem Boden verstreut, Zeitungsausschnitte kleben an den Wänden, ihr Schlafzimmer ist spartanisch.

Sechs Jahre waren sie bereits zusammen, als die Eltern zufällig von ihrer Beziehung erfuhren. Damit begann das Drama: Die Eltern drohten und versuchten, sie zu trennen, die Kinder trafen sich in Verstecken – und heirateten schließlich heimlich. Seitdem, seit etwa einem Jahr, wohnen sie auch gemeinsam in der WG, ohne ihre Liebe verstecken zu müssen. „Heiraten bedeutet für uns Freiheit“, sagt Moinak; die Heirat öffne Paaren in Bangladesch Türen. Man werde von der Öffentlichkeit als zusammengehörend akzeptiert und erlange den Paar-Status vor dem Gesetz. „Für uns war der legale Stand wichtig“, sagt er, „falls unsere Eltern sich etwa in unsere Beziehung einmischen oder behaupten, ich würde Sadia misshandeln.“ Beide schütteln den Kopf beim Gedanken daran, dass ihre Eltern dazu imstande sein könnten. Derzeit spricht Moinaks Vater nicht mit seinem Sohn. Aber, wie gesagt: Moinak geht davon aus, dass das ein vorübergehender Zustand ist.

Im traditionellen Kontext der arrangierten Heirat sieht sich das zukünftige Paar im besten Fall vielleicht ein paar Mal vor der Hochzeit, im schlechtesten erst bei der Hochzeit. Dies gilt vor allem auf dem Land bei der Arbeiterklasse und in den unteren Schichten in den Städten.

In der gebildeten Mittelschicht sind die Regeln bereits weniger streng, vor allem in der Stadt. Hier darf der Partner selbst ausgesucht werden. Auch hier aber gibt die Familie das endgültige Okay. Die Wahrung und Erweiterung des sozialen Standes und des finanziellen Status sind grundlegende Parameter für die Wahl eines Partners. Die Familie ist die Entscheidungsinstanz.

Bei Saikat und Shutopa etwa war es so: Sie hatten sich während des Studiums kennengelernt, und bald war ihnen klar, dass sie mehr als Freunde waren. Sie trafen sich, immer in der Öffentlichkeit. Eine Heirat wurde bald geplant, „weil es sich so gehört“, wie sie sagen. Mit dem Heiratswunsch aber begann das übliche Spiel. Saikats Vater ist Bauer, Saikat selbst war damals Fotograf. Er galt damit nicht als angemessene Partie für eine Diplomatentochter wie Shutopa. Den Kindern war es egal, Shutopas Eltern nicht. Erst nachdem er einen Beruf angenommen hatte, den die Eltern für angesehen befanden, erhielt das Paar die Erlaubnis zu heiraten.

Was ist die Idee hinter der arrangierten Ehe? Zu Besuch bei einem Ghatak, einem Heiratsvermittler: Er heißt Kanu, und er erklärt das Prinzip der arrangierten Ehe. „Viele Liebesehen gehen auseinander, wenn plötzlich die Liebe verfliegt und das Paar merkt, dass es unterschiedliche Interessen bezüglich Lebensstil und -qualität hat“, sagt er. Kanu sitzt hinter seinem Schreibtisch in seinem kleinen spartanisch möblierten Büro am Rande von Gulschan, einer wohlhabenden Gegend in Dhaka. 1997 hat er seinen Verkupplungsdienst gegründet.

Er verschwindet unter seinem Schreibtisch und zieht aus den Schubladen zahlreiche Papierblätter hervor, auf jedem ein Bild nebst Text. „Das sind meine Klienten“, sagt er. Er lächelt stolz. Wichtige Punkte im Karteisystem: Einkommen, Beruf, Familie und Wünsche an den Partner, schließlich will man nicht mit dem Falschen verkuppelt werden. „Bei Männern sind momentan große, dünne Frauen aus gutem Hause populär. Die Frauen wünschen sich Ingenieure oder Doktoren. Und natürlich soll er gut aussehen. Und groß sein“, sagt er. „Das Problem ist nur: Wenige entsprechen den Idealvorstellungen.“ So passiert es, dass viele Kandidaten zu Karteileichen werden.

Viele finden aber auch einen Partner durch ihn, Kanu. Dass sie dann nicht immer auch die Liebe finden, gibt Kanu zu; bei der arrangierten Heirat gehe es um vieles, aber nicht um eine romantische Liebe, sagt er. Es funktioniere nun mal, „denn was vor der Ehe wichtig ist, ist nach der Ehe vielleicht eher zweitrangig“.

Zeitgleich mit den Onlineagenturen, die professionelle Hilfe bei der Partnersuche anbieten und die es heute in Bangladesch zahlreich gibt, etablierte sich aber auch das soziale Netzwerk als Treffpunkt für junge Leute. „Ich kann mich noch erinnern, 2005, als ich in dem Alter war, habe ich mit meinen Freunden Internetcafés belagert und meine ganze Zeit mit Chatten verbracht“, sagt Mubashar Hasan. Er ist Anfang 30 und Journalist. „Viele meiner Freunde haben in Chatforen ihre Ehepartner kennengelernt“, sagt er. „In Dhaka ist es schwierig, in der Öffentlichkeit andere junge Leute kennenzulernen. Als Mann darf man keine Frau ansprechen, es gibt keine Ausgehmöglichkeiten, und öffentliche Plätze sind rar. Da bleibt nur das Internet.“

Die Freiheit, nicht zu heiraten

Doch nicht nur das Social Web hat den Wandel erzeugt. Auch an öffentlichen Orten wie an Schulen oder Universitäten treffen sich junge Menschen, die einander qua Herkunft früher kaum begegnet wären. Asif etwa: Er kommt aus einem Dorf und studiert in Dhaka Fotografie. Zu groß und unüberschaubar findet er die Stadt. „Und laut.“ Doch einen besseren Ort, um Fotografie zu studieren, gab es für ihn nicht. Und mit dem Studium kamen neue Freunde – und seine chinesische Freundin Yan.

Auch Yan kam für das Studium nach Dhaka, sie und Asif lernten sich dort kennen und lieben. Momentan leben sie zusammen; nur manchmal, wenn Asifs Eltern zu Besuch kommen, zieht Yan in ihr eigenes kleines Zimmer. Asifs Eltern wissen von der Beziehung, aber nicht, dass die beiden zusammenleben. „Das wäre definitiv zu viel für meine Eltern“, sagt Asif.

Seine Eltern seien sehr religiöse Muslime. Dass ihr Sohn eine Freundin hat, mit der er nicht verheiratet ist, wäre für sie schwer zu akzeptieren, sagt er: „Ich verstehe es. Meine Eltern sind nie aus dem Dorf herausgekommen.“ Und so bitten die Eltern ihn regelmäßig, Yan zu heiraten. Das aber ist unmöglich, denn Yans Eltern sind in China, und für Yan wäre es undenkbar, zu heiraten, ohne dass sie vorher Asif kennenlernen. „Außerdem“, sagt sie, „warum sollen wir heiraten?“ Sie lächelt und sagt, sie sehe keinen Sinn darin. Für Yan bedeutet es Freiheit, nicht zu heiraten.

Einige Wochen nach dem Interview trennten sich Yan und Asif übrigens. Nicht wegen der sozialen oder finanziellen Unterschiede, sondern weil sie merkten, dass sie charakterlich zu unterschiedlich sind. Man nennt es Liebe.

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Text/Fotos: Evi Lemberger

Publikation: Freitag 15.05.2012 , Südostasien Magazin Nr2/2013